10. Dezember 2017

Weihnachtsbäckerei in Kinderhand

Hebron im Schnee (passiert alle paar Jahre, diese Aufnahme von vor 4 Jahren)
Nachdem ich Astrids Post zur "Weihnachtsbäckerei" und ihre Bitte um Plätzchenrezepte und -geschichten gelesen habe, stellte ich mit Erstaunen fest, daß mein Fundus an Plätzchenrezepten ziemlich spärlich ist. Und das, obwohl ich schon seit meiner Kindheit furchtbar gerne backe und mit meinem Vater und (Schicksal?) meinem Ehemann zwei Fachmänner des Backwesens in der Familie habe.
Also kann ich Euch nur vier Rezepte und Geschichten schenken, diese aber sind mit vielen, lieben Wünschen für eine leckere Winterzeit versehen.

Rezept 1: Die "Wichtelmänner", die ihren Namen eher abstrakt umsetzen, habe ich schon mit meiner Mutter als Kind gebacken; 

mit meiner Mutter, denn meinem Vater, als gelernten Bäcker und Konditor, lassen von Kinderhänden unregelmäßig geformte und auf Backblech gemanschte Teigkugeln Schauer über den Rücken laufen. 


Uns Kindern machte dieses Gemansche, erst den Teig, dann Ei und zum Schluss Mandelsplittern sehr viel Spass; auch wenn der Teig auch roh sehr gut schmeckte. Warum dieses Rezept nicht mehr bei mir zu finden war, keine Ahnung. Ich meine, daß ich es auch mit meiner ersten Tochter gebacken habe. Den Umzug nach Israel scheint es nicht mitgemacht zu haben.
Nun hat mich dieser Post daran erinnert und ich habe gleich meine Mutter angerufen. Sie hatte es noch und so haben wir es nachgebacken.

Rezept 2: Der Umzug in eine neue Heimat bringt auch neue Rezepte mit sich. Diese zu übernehmen ist schön, es verbindet einen mit seinen neuen Nachbarn und es ist einfach, weil garantiert alle Zutaten im Laden zu finden sind.

Das beduinische Universal-Rezept und auch das einzige, welches hier gebacken wird, ist "Maamoul". Ein Teig mit Grieß und eine Füllung aus Datteln und Nüssen. Ich habe es zwei- oder dreimal mit meinen Kindern gebacken... aber a) ich mag diesen Grießteig nicht wirklich gerne b) es gibt um mich herum eine Menge Leute die das lieber machen (ist nämlich mit einigem an Arbeit verbunden, vor allem wenn man, wie hier, immer gleich 2 oder 3 Kilo backt) und besser können als ich. 

So fristet die Backform ein Stiefdasein in meiner Küche und wir holen uns leckeres Maamoul einfach aus der Bäckerei meines Mannes. Wer es mag, hier ist ein Link zu einem Rezept, das dem mir bekannten ähnlich ist.

Rezept 3: Der Umzug in eine neue Heimat kann einem auch Rezepten aus der alten Heimat wieder näher bringen.

Im ersten Jahr meines Israelaufenthalts fand ich, noch in der schlimmsten Heimwehphase, ein Rezept für "Pfefferkuchen"; zwar auf der Homepage des schwedischen Staates, aber wenn man in Asien lebt, dann ist Schweden fast Deutschland, oder? (grins)
Dieses Rezept ist mehrfach, ganzjährig erprobt und als gänzlich kindertauglich befunden worden. Die 800 g Mehl erfordern trainierte Arme beim Kneten des Teigs, aber die Gewürze, der Sirup und der braune Zucker ergeben ein sehr würziges Plätzchen, das zu einer Tasse starken Kaffees am besten schmeckt.

Rezept 4: "Linzerplätzchen", ganz neu. Astrid hatte meinen Ehrgeiz geweckt und im Schrank lagen noch die Ausstechformen, die mein Mann mal von einer Messe in Italien mitgebracht hatte.

Das Rezept ist von Dr. Oetker, eine Reminiszenz an meine Geburtsstadt Bielefeld, und seeeeeeeeehr lecker. Mürbeteig, Orangenmarmelade und Zartbitterschokolade. Mmmmmmmmh! Backt man aber besser ohne Kinder. Der Teig muss kalt bleiben, das bedeutet schnelles arbeiten. Und das Gefriemel mit den Ausstechformen, das Geschmiere mit der Marmelade... ich habe es einmal mit drei Kindern gemacht und... nie wieder.

Gleich werde ich in der gut gefüllten Linkliste bei "Le Monde de Kitchi" stöbern. Vielleicht kommen ja noch mehr neue Rezepte hinzu. Wieder ein dickes Dankeschön an Astrid für diesen Denk- und Backanstoß.

Ich wünsch Euch einen Frohen Advent und
שלום, سلام، und macht's gut, Maren

27. November 2017

Verstreute Blüten




Verstreute Blüten
Jagt vor sich her und holt ein
Der jähe Sturmwind

("Haiku" von Fujiwara no Sadaie)

Das Bild das vor meinem Auge entstand, war ein düsteres, dunkle. Jagen, jähe, Sturm. Da mochten auch die Blüten nichts liebliches auslösen.


Umsetzen wollte ich es, wie schon das vorherige Gedicht, mit Stoff. Aber für die zarten Blüten wollte sich nichts in meinem Vorrat finden lassen. Da hab ich das Gedicht erstmal liegen gelassen. Bis mir die grauen Mark-Making-Blätter vom Mustermittwoch eine neue Idee brachten. Mit bedrucktem Papier, Seidenpapierschnipsel und dem genähten Sturmwind.

Alles gleich im Format einer Postkarte zugeschnitten. So kann ich noch jemanden mit meinem Eye-Poetry Beitrag #10 für Andrea aka Frau Holunder erfreuen.

22:30 Uhr. Draussen gewittert es. Allerdings in genügendem Abstand, so dass ich es unbesorgt vom Fenster aus geniessen kann. Trotzdem habe ich das Gefühl Gedicht und Realität passen eins zu eins zusammen.

Ich wünsche Euch einen schönen Wochenstart.
שלום, سلام، und macht's gut, Maren

22. November 2017

Mark-Making in Grau

November: Regen, Nebel, trübes Licht. Selbst Rahat ist wolkenverhangen und regnerisch. Das passt das Mustermittwoch-Thema von Frau Müllerin : Mark-Making in Grau. Und es passt auch zu meinem vollen Terminkalender: beim Mark-Making kann man schnell wischen, tupfen oder drucken, kein sauberes Stempeln, kein genaues Drucken wie beim Rapport nötig.

Also habe ich mir letzte Woche schnell graue Acrylfarbe angerührt und dann einmal eine Plastikwalze damit beschmiert und zweitens eine Paketschnur in die Farbe getaucht und die Schnur dann auf Papier geworfen. Das ging ruck-zuck und gefällt mir sehr gut zum Weiterverarbeiten.

Grau-Schwarz-weiß mit einem Tupfer von Rot, das scheinen sowieso meine Farben zu sein.
In diesem Farbspektrum bewegen sich so auch die beiden Bücher, deren Deckblätter ich mit diesen Drucken gefertigt habe. 

Erst ein Notizbuch mit einfacher Fadenbindung aus winterlichen Drucken der letzten Jahre.

Dann ein Leporello mit Insektendrucken.

Das Notizbuch habe ich auch gleich zum Notieren meiner nächsten Projekte genutzt. Ich habe gerade so viele Ideen (und dabei so wenig Zeit), dass ich Angst habe mich zu verzetteln, und vor lauter Ideen nichts hinzubekommen.
Geht es Euch auch so, dass ihr manchmal vor lauter Ideen nicht wisst, wo ihr anfangen sollt?

Ich wünsche Euch eine kreative Woche,
שלום, سلام، und macht's gut, Maren

20. November 2017

Feuer und ich



Feuer? Feuer! das Thema der Link-Party bei Astrid und ihrem Blog "Le Monde de Kitchi"… Feuer und ich. Das ist eine wirklich nicht sehr aufregende Beziehung. Ich erzähle trotzdem ein bisschen…

Die Holzfeuer gehörten zum Unterhaltungsprogramm meiner Kindheit, größere bei dörflichen Festen, bei Kindergarten- oder Schuljahresabschlußfeiern, kleinere nach dem Baumschnitt im Frühjahr oder nach der Kartoffelernte in nachbarschaftlicher Runde im Garten. Die merkwürdige Wärme im Gesicht, das Knistern und Knacken, das Sprühen der Funken, etwas unheimlich, aber vor allem schön, heimelig, auch weil ich, mit kindlichem Vertrauen in die Erwachsenen, nichts tun und nichts zu befürchten hatte.

Faszinierender und auch bedrohlicher schien da schon die seltsam blaue Gasflamme des Boiler im Badezimmer meiner Großmutter, dieses unstete Licht und die furchtbaren Geräusche. Ich befürchtet immer, dass uns das Teil eines Tages um die Ohren fliegen würde. Auch heute noch habe ich Respekt vor dem Zusammentreffen von Gas und Feuer. (Leider haben meine Schwägerinnen noch mehr Angst, so dass ich es immer bin, die den Gaskocher in Gang setzen muss. Die Welt gehört den Mutigen.)
Kerzen dagegen zünde ich mit Leichtigkeit an. Der Geburtstagskranz, der Weihnachtsbaum, meine Eltern sind Liebhaber echter Bienenwachskerzen und sobald ich alt genug war, oblag mir das Anzünden. Vorsicht war geboten, ermahnend von meinen Eltern und alleine weil selbst Streichholzfeuer an Fingerspitzen empfindlich schmerzt. Aber Angst kam keine auf. Auch der Tannenbaum der im Heilig-Abend-Gottesdienst plötzlich Feuer fing wurde eher als dankbare Unterbrechung der langweiligen Predigt, denn als Gefahr empfunden (und vom Küster auch beherzt und schnell mit einem bereitstehenden Wassereimer gelöscht).

Und die Faszination “der gar traurigen Geschichten mit dem Feuerzeug” aus dem großen Wilhelm-Busch-Buch meiner Eltern ging eher von der eigentümlichen Sprach, denn von ihrem pädagogisch belehrenden Inhalt aus.
Meine Kinder kennen diese Geschichte nicht, aber dafür lieben sie die Erzählung “wie mein Bruder die Wiese hinterm Haus in Brand gesteckt hat”. Eine wahre Geschichte über das verhängnisvolle Zusammenspiel von heimlich eingesteckten Streichhölzern und unverhofftem Wind, die in diesem Fall aber glimpflich ausgegangen ist (wieder wegen eines beherztem Eingreifen, diesmal der Nachbarn mit Swimmingpool). Also im Ganzen lässt sich sagen, es gab Feuer, aber eher aus dekorativen Zwecken. Weder Grillfeuer noch Kerzenlicht waren wirklich notwendig. Im Alltag spielte Feuer keine Rolle, da gab es Glühbirnen, Herdplatten und Heizkörper.

Einen ganz anderen Umgang mit Feuer habe ich dann erst bei meinen ersten Besuchen in Israel kennengelernt. Hier wurde noch täglich auf offenem Feuer Brot gebacken und bei grossen Einladungen und Festen auch gekocht (wenn wir wieder nach Hause flogen roch der ganze Koffer plus Wäsche nach Rauch). Mein Schwiegervater röstete seinen Kaffee selbst über dem Holzfeuer und bis heute wird bei Hochzeiten immer Feuer im Zelt gemacht, damit die Männer ihren Kaffee dort kochen können.

Ansonsten hat sich aber viel geändert. Der Gasofen hat das Holzfeuer weitgehend verdrängt und die Fähigkeit immer und überall ein Feuer machen zu können, geht verloren, wie so viele andere Traditionen auch. Kerzen werden hier auch nur noch angezündet, wenn, wegen der Überlastung, der Strom ausfällt. Das passiert hier allerdings, Sommers wie Winters, des öfteren.
So ist meine Beziehung zum Feuer vielleicht keine langweilige, aber eine “moderne”, abgeklärte Beziehung (und ehrlich gesagt, ich mag es viel lieber, wenn meine Wäsche nach Waschmittel und Wind riecht und Stockbrot wird wirklich überbewertet).

Für morgen früh sind furchtbar kalte 13 Grad und Regen angekündigt. Ich habe den Kindern die Federbettdecken bezogen und vielleicht sollte ich morgen früh die Teelichter rauskramen und mein Stövchen bereitstellen. So ein bisschen Kerzenlicht kann auch sehr wärmend sein.

Ich wünsche Euch ein schöne warme Woche,
שלום, سلام، und macht's gut, Maren

6. November 2017

Regen Regentröpfchen

Auf der Suche nach Motiven für meine Winterpost am Jahresende. Der gestempelte  Dreiecktannenbaum vom letzten Mustermittwoch wäre so eine Idee.

Oder aber der Regenschirmstempel (Winterzeit ist hier Regenzeit und der Stempel passt gleichzeitig zu dem Papierliebe am Montag-Thema von Frau Nahtlust). Erst habe ich es mit einer Schrift versucht.

Dann ganz schlicht. Das gefiel mir auch gut. Nur der gestempelte Regen (lauter kleine Moosgummiregentröpfchen auf eine Holzrolle geklebt) war mir zu verwischt.

Vielleicht mit gemaltem Bindfadenregen?

Oder jetzt wo ich schreibe fällt mit ein: vielleicht eine Palme im Regen. Noch bin ich auf der Suche.

Pflegt ihr auch die Tradition der Weihnachts-Winterpost?

Ich wünsche Euch eine schöne Woche,
שלום, سلام، und macht's gut, Maren

19. Oktober 2017

Kleider des Himmels



Er wünscht sich die Kleider des Himmels (W. B. Yeats)

Hätt ich des Himmels reichbestickte Tücher,
bestickt aus Golden- und aus Silberlicht,
die dunklen, die blauen und die hellen Tücher,
aus Nacht, aus Tag und aus der Dämmerung,
legt ich die Tücher dir zu Füßen.
Doch ich bin arm und habe nichts als Träume,
so leg ich meine Träume dir zu Füßen.
Tritt leise, denn du trittst auf meine Träume.



Ich habe das Gedicht gelesen und hatte gleich eine Idee... und über diese Idee habe ich nachgedacht und nachgedacht... und dann habe ich schon das Novembergedicht gelesen und überlegt, ob ich dazu was machen möchte... und da habe ich mich gestern plötzlich hingesetzt und meine Idee "in die Hand genommen". Vielleicht 2 Stunden habe ich gestern und heute daran gearbeitet. Zuerst war da der Rock, angedeutet durch den Faltenwurf. Mit der Maschine auf eine alte Jeans aufgenäht. Die Füsse, erst vorgezeichnet und dann gestickt. Nun war ich mir unsicher. Träume, Schäume... sollte ich Träume als Wort stempeln oder die Schäume mit Stofffarbe aufmalen... Ich habe die Schaumblasen dann aus Stoff ausgeschnitten und aufgenäht. Eine zerplatzt, trotz vorsichtigem Auftritt...
Das Gedicht habe ich erst wieder für diesen Artikel gelesen und bemerkt, dass sich über die Zeit des Nachdenkens die Idee etwas verselbstständigt hat und nicht mehr so nah am Inhalt des Gedichts ist... aber das gefällt mir. Mein "Bild" nicht nur als Illustration sondern als eigener Gedankengang...

Vielen Dank Andrea, für diese zauberhafte Aktion. Auch wenn ich nicht immer mitmachen kann, verfolge ich Deine Gedichtauswahl und die gesammelten Beiträge mit Spannung und grosser Freude.

שלום, سلام، und macht's gut, Maren

15. Oktober 2017

Ein Koffer voll





Seit ich in Israel lebe, weiss ich, wie deutsch ich bin. So deutsch, dass ich eigentlich den ganzen Tag mit einer schwarz-rot-goldenen Fahne in der Hand herumrennen könnte. Mag ich nicht, mach ich nicht. Brauch ich auch nicht, meine Mitmenschen erkennen mich auch so, mich, die Deutsche.

Adriana Alteras hat, glaube ich, mal gesagt, jeder hätte einen Koffer, in dem er seine Vergangenheit mit sich herumschleppe (ich meine in dem Film “Titos Brille” war das; ein sehr schöner Film übrigens). Ich habe auch so einen Koffer. Da sind all die Jahre drin, die ich in Deutschland verbracht habe (immerhin 37) bevor ich nach Israel “ausgewandert” bin. Ein Koffer voll mit deutscher Kultur, gefüllt von mir und anderen.
Dieser Koffer ist die meiste Zeit mindestens einen Spalt geöffnet (Auslandsdeutscher, sagen die Behörden dazu, also die deutschen). Aber manchmal, ab und zu, ist er geschlossen: wenn ich mich, zum Beispiel, zu meiner Schwägerin in den Garten setze um ihr beim Brotbacken zuzugucken und sie bei den letzten Pita-Scheiben auf die Idee kommt daraus Pizza zu machen, für ihre und auch gleich für meine Familie mit und ich mir so das Kochen sparen kann und wir sogar noch Zeit für einen Kaffee haben. Oder wenn die Kassiererin im Supermarkt mich “Süsse” nennt und meinem quengelnden Kind ungefragt ein Bamba-Tüte (Erdnussflips) in die Hand drückt. Dann freue ich mich und fühle mich “daheim”. Diese spontane Herzlichkeit, Freundlichkeit, Grosszügigkeit und Geselligkeit… vielleicht liegt es am Wetter…
Aber oft, ziemlich oft sogar, ist der Koffer auch sperrangelweit offen. Und dann steh ich hier und kann nicht anders:
-wenn ich mich mit einer Tasse Kaffee und einem Buch in den Garten setze und nach spätestens 10 Minuten eine meiner Schwägerinnen auftaucht um mir in meiner Einsamkeit Gesellschaft zu leisten; dann nach weiteren 10 Minuten wir zu viert dort sitzen und ich spätestens nach der Frage ‘musst Du das für die Arbeit lesen?” das Buch zuklappe und beiseite lege. (Wir haben hier einmal die Stadtbibliothek besucht. Wir durften uns pro Kind ein Buch ausleihen, nicht mehr, und auch keine Sachbücher, die durfte man nur vor Ort angucken. Da hatten meine Kinder keine Lust mehr.) Das geschriebene Wort, ob Bücher, Zeitungen, Briefe (wer schreibt hier Briefe!) oder Mitteilungen aus der Schule… Hier gilt eher die Mund-zu-Mundpropaganda und Herr Gutenberg wäre hier arm geworden.
-wenn mein Mann auf eine Frage mit “Inshaallah” antwortet. “So Gott will” beinhaltet eine ganze Bandbreite von Deutungsmöglichkeiten: nein, ja, vielleicht doch, eher nicht… Aus meinem Koffer schreit es dann: sag ich will oder ich will nicht, sag um acht und dann komme auch um acht (und rufe nicht im neun an, dass es zehn wird). Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit,… ach, warum meckern die Deutschen über ihre Post… das letzte Paket, welches meine Eltern abgeschickt haben ist nun schon 2 Monate unterwegs. Im Flugzeug war es schon nach drei Tagen.
-wenn ich am 8. Mai von russischen Einwanderern im Hebräischkurs gefragt werde, ob ich wüsste was heute für ein Feiertag sei und dass der ja in Deutschland vielleicht höchstens als Trauertag begangen würde?!… und ich mich im Gegensatz dazu frage, warum dieser Tag hier in Israel Victoryday heisst… und mich darüber ärgere, dass mein Hebräisch für solche Diskussionen nicht gut genug ist. Manchmal ist der Koffer ganz schön schwer. 

Ach ich könnte tausende Geschichten erzählen… eigentlich mag ich meinen Koffer und ich mag meinen Kindern von ihm zu erzählen oder sie ihn in den Ferien erleben zu lassen.
Ich weiss auch, dass mein Blick auf die deutsche Kultur ein sehr subjektiver ist. Aber mir ist bei der Entstehung dieses Textes und mit der Beschäftigung mit diesem Thema vor allem bewusst geworden, dass diese deutsche Kultur durch ihre offenen Grenzen, durch ihren Aufnahmewillen und durch ihren Wissensdurst erstanden ist.
Kommen nicht deutsche Weihnachten aus Bethlehem und der rot-weisse Weihnachtsmann aus Amerika, und trotzdem ist Weihnachten ein “urdeutsches” Fest. Der liebste Muntermacher der Deutschen der Kaffee hat seinen Ursprung wahrscheinlich in Äthiopien und das Wort dafür haben uns die Araber vermacht. Die deutsche Kartoffel brachten die Spanier aus Südamerika nach Europa und die Italiener gaben ihr ihren Namen.Unsere Zahlen, die Schrift…
Darum können wir unsere Grenzen getrost offen lassen für Halloween, Döner oder sonstiges… und vor allem für all die Menschen die unsere Hilfe, Gastfreundschaft und Unterstützung brauchen (hier können wir nicht nur, hier müssen wir).
Ein langer Text, aber ein Herzensthema, nicht zu verallgemeinern (ich weiss es gibt auch grosszügige Deutsche und büchervernarrte Araber). Und ein Dank an Astrid, die mit ihrer Link-Party den Anstoss dazu gegeben hat und die sich diesem und vielen anderen spannenden Thema auf ihrem Blog "le monde de kitchi" mit viel Liebe (manchmal auch Ärger) und Gründlichkeit widmet.
Und Euch vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich auf Eure Kommentare,
שלום, سلام، und macht's gut.
Maren

9. Oktober 2017

Papierliebe am Montag: Waldtiere


Die Pappstreifen sind Trennstreifen aus meinen Schwarzteebeutelpackungen. Ich liebe diese Kärtchen und habe deshalb immer mal wieder welche in meine Kramschublade gesteckt. Und als Frau Nahtlust das Papierliebe-Thema für diesen Monat ausrief, fielen sie mir wieder ein. Die Tannen und der Mond sind aus Tonpapier geschnitten. Der Rest mit Aquarellfarbe gemalt. Es wirkt etwas düster, eher so nach einer Erinnerung an den deutschen November. Trotzdem wünsche ich Euch einen goldenen Oktober, und ich werde mich heute Abend an all den anderen Waldtieren erfreuen, die sich bei Frau Nahtlust versammeln.
שלום, سلام، und macht's gut.
Maren

25. September 2017

Lesezeichen

Papierliebe-Montag von Frau Nahtlust, was für eine Entdeckung. So viel Schönes was da gezaubert und gesammelt wird. Gerade entdeckt und gleich ins Herz geschlossen.

Septemberthema: Lesezeichen. Manche habe zu jedem Kostüm die passende Handtasche, warum nicht zu jedem Buch das passende Lesezeichen... (beides etwas übertrieben, oder?).



Das Buch ist so ein Sommer-Leben-Gleiten-Träumen-Buch, trotz der Winter und der Härten die erzählt werden. Da passt so ein Lesezeichen, das einen schmetterlingsfliegen lässt in ferne Länder.

Alles Reste: ein Etiketten-Anhänger vom letzten Jeanskauf, eine Weltkarte aus dem Kalender der vergangenen Saison und Schmetterlinge vom Mustermittwoch bei Frau Müllerin-Art... die so etwas Neues ergeben.

So wünsche ich Euch eine schöne, neue Woche,
שלום, سلام، und macht's gut.

Maren

10. Mai 2017

gebunden

die tage habe ich einen brief gesucht. ich wusste, dass ich ihn in ein buch gesteckt hatte, aber ich hatte vergessen in welches. also habe ich gesucht und dabei, neben dem brief, noch etwas anderes gefunden. ein buch, lange nicht angefasst, gar nicht mehr im sinn... und deshalb wie ein kleines geschenk an mich (wieder, denn damals habe ich mich damit auch schon selbst beschenkt): "die grammatik der ornamente" von Owen Jones (die texte haben eher historischen wert, aber...)
so schöne bilder, so schöne muster...


und gleich entdeckte ich fäden und knoten. schnell habe ich mir papier und bleistift geholt und eine fliese aus dem kapitel "ornamente des mittelalters" abgemalt und mit aquarellfarben ausgemalt.



die farbtöne sind Kate Henderson von "two little banshees" geschuldet, die in ihrem letzten post so nett über die farbkombination blau-grün geschrieben hat: grün und blau steht jeder .... hab ich auch noch im ohr. 
zurück zum muster. die fliese habe ich eingescannt und vermustert. die weissen blumen wirken in der kombination wie kleine wollen. ein faden-knoten- muster im rapport für den mustermittwoch von Michaela.


ansonsten habe ich mich diese woche mit anderen bändern, also eher mit fäden beschäftigt. diese Idee (inspiriert durch @brooklynhaberdashery/instagram) gefiel mir auch ganz gut, werde ich auch noch weiter dran arbeiten. will aber kein muster werden.


nun bin ich gespannt, was, wie, wo sonst noch gemustert wurde.


שלום, سلام، und macht's gut.

3. Mai 2017

anbändeln




das mai-thema von @muellerin_art: bänder und knoten. ein papierband in meiner Schreibtischschublade blitzte mich an. band als werkmaterial.
druckerpapier (mit pappe zur verstärkung) mit dem geschenkband umwickeln und acrylfarbe mit dem haushaltsschwamm auftragen (@schreibtischwelten hat gerade einen schönen instagrambeitrag zu dieser art von werkeln geschrieben).



durch die farben erinnert es mich an shibori (#sowasvonindername).
die drucke habe ich dann als quadrate ausgeschnitten und eingescannt.



mein erstes mai-muster. (was ich mit den "echten" drucken mache? muss ich noch überlegen.)

שלום, سلام، und macht's gut.

27. April 2017

frühling im kleinformat


im vorherigen post hatte ich es ja bereits erwähnt: Michaela und Tabea luden zur frühlingsmailart2017 und ich wollte mit machen. habe ich auch. mit ganz viel freude.
nachdem mir das herz erst ein bisschen in die hose gerutscht war, als ich sah in welch hochkarätig besetzten gruppe ich gelandet war. in einer schrecksekunde habe ich sogar über premierengelisiebdruckkominationen nachgedacht. verrückt.
aber danach hat es einfach nur spass gemacht "mein" buch zu entwickeln. mein ding zu machen. als thema wollte ich meine idee aus dem eye-poetry-projekt von Andrea weiterentwickeln: blühende bäume. und dazu fiel mir ein gedicht aus dem arche-kinder-kalender in die hände (es fiel und gefiel), welches gut passte.
zur umsetzung habe ich mir dann erstmal einen rohling gefaltet (meine hochachtung allen, die hier gebundene bücher abgeliefert haben. das wäre mein untergang geworden) um ein gefühl für das kleine format zu bekommen. und ausprobiert und rumprobiert und rumgemacht... immer im hinterkopf "das musst du dann zehnmal machen".

und irgendwann hatte ich das erste exemplar exemplarisch fertig. nun ging es in serie:
zuerst der umschlag. einfach gestempelte kreise mit den farben, die auch im buch vorkommen.


dann die seiten aus weissem druckerpapier gefaltet und nach und nach beklebt.

gearbeitet mit allem, was mein fundus so her gab: acrylfarben, locher, kleber...


moosgummistempel und wasserfarben...
alte papiere und schablonen...



und dann zum schluss alles mit einem band gebunden und das gedicht mit buchstabenstempeln gedruckt (per computer verkleinert und vervielfältigt). dabei leider zu spät gelernt, dass sich "lampion" nicht so schreibt, wie ich es spreche (sorry!).


und anschliessend noch bestempelt. ab in den briefumschlag, den in den koffer meiner eltern, die in den flieger nach deutschland. mit genausten instruktionen zum weiteren verfahren.
ein tolles projekt. so vielfältig. so anregend und inspirierend. interessante beiträge und teilnehmer. danke. danke, danke.

שלום, سلام، und macht's gut.

15. März 2017

kommt eins zum anderen

meine kinder bekommen seit ein paar Jahren von ihrer oma den "arche kinder kalender" geschenkt. ein wunderschöner kalender mit wöchentlichen kinder-gedichten aus aller welt mit faszinierenden illustrationen. in der originalsprache und (wenn nötig) in gekonnter deutscher übersetzung.
und oft habe ich dabei gedacht: das möchte ich auch mal machen. ein gedicht illustrieren.

und vor genau einem monat stolpere ich über Mano's beitrag zum eye-poetry von Andrea aka frau holunder. da war er, der moment. nun hatte ich vorher nicht gerade Rilke im sinn, aber warum nicht. und während ich so nachdenke, fallen mir diese tollen minibücher von Eva ein. eins zum anderen eben.

aber damit nicht genug. ich werkel an meinem ersten minibuch, da rufen Tabea und Michaela zur frühlings-mail-art 2017 auf mit... ja eben, mit minibüchern. ha, da musste ich mich einfach anmelden.

und wenn hier einer, dann will auch der andere. mein sohnemann. zwar nicht mit Rilke, sondern mit einem dino-gedicht (urheber mir unbekannt).





falls nun noch jemand lust auf mini-bücher bekommen hat, bei Tabea findet sich hier ein vielfältige linksammlung zu dem thema.

[mein beitrag zu Andreas eye-poetry # 02

Will Dir den Frühling zeigen, der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen und kommt nicht in die Stadt.
Nur die weit aus den kalten Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten - dürfen ihn einmal sehn.

Rainer Maria Rilke]

שלום, سلام، und macht's gut.